Peripheria

...nennt man in Brasilien die Randgebiete der Städte.

 

Immer wieder war ich über einen Zeitraum von 2 Jahren, insgesamt mehrere Monate lang, in der Peripheria von Manaus, der Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas im Brasilianischen Regenwald, unterwegs.

Ohne Strassenkarte oder Navi, denn sowas wie Städteplanung oder gar Strassennamen gibt es hier nicht, fuhr ich, bis ich umdrehen musste oder die nächste Strasse fand. Auf der Suche nach Begegnungen und Orten.

 

Manaus, ist eine aussergewöhnliche Stadt: gelegen mitten im größten zusammenhängenden Regenwaldgebiet unserer Erde, ist die zwei Millionenmetropole mit dem Auto kaum zu verlassen.

Es führen einige Strassen ein paar hundert Kilometer in jede Richtung mitten in den Dschungel, an den meisten Strassen ist man jedoch irgendwann am Ende angelangt und steht vor einer Mauer, welche das Ende der Stadt und den Beginn des Dschungels kennzeichnet.

Die wenigen Strassen welche aus der Stadt hinausführen, befinden sich einige Kilometer nach der Stadtgrenze in einem solch schlechten Zustand das einem nichts anderes übrig bleibt als umzudrehen. Die einzigen Möglichkeiten die Stadt zu verlassen sind der Luft- oder Wasser-weg. Aufgrund der hohen Armut und da sowohl Flug- als auch Schiffs-ticket sehr teuer sind, wird dies den meisten jedoch für immer vorenthalten bleiben.

 

Die Strassen sind leer, es ist schwer Menschen zu treffen, zu gefährlich ist es draussen herum zu laufen. Regelmässig landet Manaus mit auf der Liste der gefährlichsten Städte der Welt. Hier einfach zu verschwinden ist nicht schwierig, der dichte Regenwald um die Stadt regelt alles sehr schnell von selbst. Auch Drogen spielen aufgrund der Nähe zu Kolumbien eine große Rolle und sorgen dafür das die Gewalt immer weiter ansteigt. 

 

Manaus Einwohner fühlen sich oft vergessen, vom Rest der Welt und sogar vom Rest Brasiliens. Zu isoliert ist diese Stadt. Im anderen Brasilien, dem südlichen, macht man Witze über eine Stadt voller unzivilisierter, nackter Indigener und ohne Elektrizität.

Die Anzahl der Einwohner ist schwer zu bestimmen. Wie überall, wandern viele aus den kleinen Regenwaldstädten und Dörfern in die Stadt ab, in der Hoffnung dort ein besseres Leben zu führen und Geld zu verdienen. Die Realität sieht meist anders aus.

Wer ohne Geld nach Manaus kommt, fällt am Rand der Stadt ein paar Bäume und baut sich eine Hütte aus alten Werbeplakaten und Holz, welche dann mit der Zeit immer weiter ausgebaut und befestigt wird. So wächst die Stadt unaufhaltsam und unkontrolliert in die Breite. 

Die meisten der Menschen die in Manaus Stadtzentrum und reicheren Vierteln wohnen, haben noch nie einen Fuß in die Viertel der Peripheria gesetzt und würden es auch nicht tun.

Dabei wohnen in der Peripheria dieser einzigartigen Stadt, Menschen wie Du und ich, mit Familien, Wünschen und Träumen von der Zukunft.

                                                                                                                                Manaus / Amazonas / Brasilien, 2016-2017